Über uns Projekte AIDS in Zahlen Interessantes


Jahresrückblick 2007:

„Die Unruhen sind ein Protest der Armen“, sagt die Kenianerin Gladwell Otieno zu den Ausschreitungen in Kenia Anfang des Jahres 2008 in der TAZ. Das sagen auch unsere Partner/innen und betonen, dass „Rassenunruhen“ eine Ausrede sei, der eigentliche Grund sind die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die Korruption, der Machtmissbrauch und die Aussichtslosigkeit für die Jugend. Sie selbst würden sich ausdrücklich darum bemühen, alle Nachbarn in die Projekte einzubeziehen, ohne auf ethnische Herkunft zu achten. Darin unterstützen wir sie, haben wir ihnen versprochen. Das gilt auch für die Arbeit gegen AIDS. Doppelte Moral soll es nicht geben. Jugendliche setzen sich mit ihrer Sexualität auseinander und lernen, ob und wie sie sich vor ungewollten Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Krankheiten schützen können. Frauen fühlen sich stark durch eigenes Einkommen und bestimmen selbst, wie viele Kinder sie haben möchten. Männer reden über ihre Verantwortung der Familie gegenüber und kümmern sich um Kondome.

Die Projekte in West-Uganda, alle bei Fort Portal:

KIMABA in Kidukuru erhielt 6 587,- wovon 2 887,- für Schulgelder von Waisen waren
Unsere Partnerin Dorothy Byaruhanga hat den Waldorf-Kindergarten für alle Kinder des Dorfes eingerichtet, wobei sie ein Drittel der Plätze für Waisenkinder frei hält. Für die Aufbauphase 2006 haben wir 2007 einen Zuschuss nachgezahlt. Jetzt gibt es drei Lehrer, die alle die Waldorf-Ausbildung machen. Die Kinder entrichten einen Beitrag von 5,-Euro im Term (3 Monate), kaufen die Schuluniformen (Bluse, Hemd, Rock, Shorts, Söckchen, Schuhe) selbst und ein tägliches Frühstück. Die Waisen zahlen kein Schulgeld und laufen meist barfuss. Die großartige Spendenbereitschaft der Pfaffenwald-Schule in Stuttgart-Vaihingen erlaubte es uns, die Waisen zu unterstützen. In diesem Jahr wurde dieses 17-jährige Engagement der Lehrerin Gisela Voigt und der Eltern belohnt: der Kinderwelten-Sharety-Preis würdigte den Austausch von gemalten Briefen von Stuttgart nach Kidukuru und umgekehrt mit 5 000,-, einem Pokal und einer Urkunde. Das Preisgeld haben sich die Beteiligten geteilt und sich mit Feuereifer an neue Aktionen gemacht.

IFFA in Iruhuura erhielt 600,-:
Jugendliche Waisen, die für ihre kleinen Geschwister zu sorgen haben, bewerben sich nun seit vielen Jahren in der „Berufsschule“ von Iruhuura, die vom Ortspfarrer geführt wird. Wenn ein neuer Kurs angeboten wird, melden sich vor allem Jugendliche aus den umliegenden Dörfern an, die die allgemeine Schule haben abbrechen müssen. Sie verpflichten sich in einem Vertrag, einen Anteil an den Gebühren selbst zu tragen. Wer dies nicht kann, muss später vom eigenen ersten Einkommen etwas abzahlen. Die Qualifizierung in den praktischen Berufen Hausbau, Schreinern und Schneidern hat sich bewährt, denn die werden auf den Dörfern immer gebraucht.

KIDA in Kitojo erhielt 600,-
Reverend Ezra, der uns vor vielen Jahren während eines ev. Kirchentages besucht hatte, hat seine „integrierte AIDS-Aufklärung“ sehr konsequent weitergeführt. Seine kleine Station ist zu einem Gesundheitszentrum für die Region geworden. Es beherbergt eine HIV-Teststation, eine Arzneimittelausgabe und verschiedene Selbsthilfegruppen für Frauen, HIV-Infizierte und Jugendliche, eine Berufsschule, wie sie Rev. Ezra in seiner vorherigen Pfarrei in Iruhuura begonnen hatte. Seine Ehefrau Marjorie ist für landwirtschaftliche Projekte und die Versorgung der Waisen zuständig. Die Gelder bekommen sie nun auch von anderen Helfern, vor allem Privatleuten aus den USA, Kanada und England, die als Touristen schon einmal Gast in Ezras Gästehaus waren. Dieses möchte ich auch unseren Freunden warm empfehlen, denn dort wird der Reisende herzlich aufgenommen, lebt nahe bei dem Nationalpark Kibale Forest (u.a. Schimpansen, Waldelefanten, seltene Vögel) und erfährt noch viel aus der Projektarbeit von „Kranich“.
Internet: www.traveluganda.co.ug/kitojotouristhome

Nkoma erhielt 600,-
Reverend John, der erste Pfarrer von Kidukuru, war auch schon einmal bei uns, nämlich als wir auf der AIDS-Konferenz in Genf unsere Arbeit vorgestellt haben. Er hat sich auf die „Hilfe durch Handel und Landwirtschaft“ spezialisiert. Auf seiner „Bio-Farm“ führt er Bauern an den umweltverträglichen Anbau von Erdnüssen, Gemüse, Hirse und Ananas heran. Seine Kurse verbindet er mit AIDS-Aufklärung. Wir wünschen, dass wir eines Tages eine Verknüpfung mit dem Fairen Handel in Europa herstellen können, denn Handel und gesicherte Einkommen sind für Bauern die beste AIDS-Prävention. Seine Frau Seddy macht AIDS-Aufklärung und führt Alphabetisierungskurse mit Frauen durch.

Kyakatwire erhielt 900,-
In den verstreut liegenden Dörfern sind vielerlei Gruppen tätig. Sie stellen dem selbst gewählten Beauftragten Francis, einem Bauern, der sehr bemüht ist, uns die Sachverhalte in seinen Gruppen auf gebrochenem Englisch zu vermitteln, jeweils einen Antrag auf die kommenden Aktivitäten. Dann wird über die Verteilung der Gelder (in Raten von je 300,- hingeschickt) entschieden. So haben wir kürzlich noch einen Zucht-Ziegenbock, viele Dach-Wellbleche für AIDS-Betroffene, Ananas-Stecklinge, HIV-Test-Fahrten, Aufklärungsfeste mit Jugendlichen und Kondom-Verteilungskampagnen unterstützt.

Die Projekte in Kenia:

KIBISOM auf Rusinga Island in West-Kenia, am Victoria-See gelegen, erhielt 4 100,-
Mit Hilfe der Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe, Bochum wird auch dieser Waldorf-Kindergarten der Frauengruppe KIBISOM unterhalten. Alle Kinder haben kaum eigenes Schulgeld, viele bekommen eine oft einzige warme Mahlzeit im Kindergarten. Für 135 Kinder, aufgeteilt auf drei Gruppen, vormittags oder nachmittags, sind drei Waldorf geschulte Kindergärtnerinnen beschäftigt. Sie pflegen die Morgenkreise, lehren praktische Fertigkeiten wie Waschen, Backen und Gärtnern und lassen die Kinder „frei“ spielen, damit sie gut auf ihr Leben vorbereitet werden. Die guten Schulaufnahme-Ergebnisse in die umliegenden Grundschulen bestätigen die Arbeit von KIBISOM. Dass wir ein halbes Jahr keine Gelder überweisen konnten, weil die Abrechnungen und Berichte nicht in Ordnung waren, sei auch erwähnt. In langen schriftlichen Auseinandersetzungen haben wir uns dann alle wieder angenähert.

Kony Ngimany Self Help Group erhielt 4 500,-, wovon 400,- für die medizinische Akuthilfe der zwei Vorstandsmitglieder nötig war:
In der Nähe von KIBISOM haben sich die AIDS-Betroffenen zu ihrer eigenen Gruppe formiert. Die Zahl der Bedürftigen wird immer größer. Aber nur die feste Summe von 300,- im Monat und ab und zu, je nach Spendenlage, eine Zusatzzahlung, können wir weitergeben. Also bleibt der Patientenstamm, der in den Krankenhäusern regelmäßig die ARVs = Antiretroviralen Medikamente abholt, etwa bei 27 bis 30 Personen, Kinder, Frauen und Männer. Akute Verläufe von AIDS, wie bei den beiden Vorständen, benötigen zusätzliche Therapien. Eine wichtige Frage steht seitdem im Raum, wann wohl die Medikamente nicht mehr ausreichen, weil sich das Virus angepasst hat = resistent geworden ist! Die Einsichtigen und Erfahrenen von Kony halten deshalb die Patienten zu gewissenhafter Einnahme ihrer Medizin an, um Resistenzen zu verhindern. Allerdings sind wiederkehrende Kondom-Aktionen bei den Fischern am Victoria-See auch wichtig, denn bei ihnen herrscht die fatalistische Einstellung vor: „wenn wir auf den See hinaus fahren, sind wir nie sicher, ob wir wieder heimkommen. Aber mit AIDS kann man heute 20 Jahre überleben. Wozu dann Schutz?“

Onyalo Biro Women Group in Kendu-Bay, West-Kenia erhielt 5 900,- wovon 1 800,- für Schulgeld für Waisen zugeteilt wurden:
Die Gruppe um Mama Fatuma hat sich weiter fest etabliert. Die Frauen pflegen Kranke, zahlen für Fahrten zur Medikamenten-Abgabe-Stelle, unterstützen Waisen und allein erziehende Mütter, haben die Mikro-Kredit-Gruppe erweitert. So werden einige Kleinstgewerbe weiter geführt, aber der Durchbruch zu richtigen Geschäften mit sicherem Einkommen ist nicht erfolgt. Tamima, die Tochter von Mama Fatuma, eine Krankenschwester mit Zusatzausbildung, findet zwar keinen angemessenen Job, befasst sich aber mit der zweitschlimmsten Krankheit Malaria. Sie diagnostiziert die vielen Malaria-Fälle der Umgebung und weist die schweren in die Krankenhäuser ein. Den leichten verabreicht sie Tabletten. Die Gesundheitsstation ist ein wichtiger Anlaufort für alle Kranken und Hilfe Suchenden. Mama Fatuma`s Hilfe als weise Frau wird häufig bei besonders heiklen Familiendramen gefordert. Ihre Ratschläge gründen auf ihrer Lebenserfahrung, ihrem Wissen um die menschliche Natur und sie lehnt „Hokus-Pokus“ ab. Die Schulgelder sammelte die Grundschule Kaltental für bestimmte AIDS-Waisen und eine Familie sponsert zwei Brüder, die keine Eltern haben.

Upendo Boda Boda Youth Group in Kakamega in West-Kenia erhielt 5 600,-:
Mit der monatlichen Zahlung von 300,- werden die Betreuung von AIDS-Patienten, die regelmäßige Beratung von Jedermann in der AIDS-Sprechstunde und ein Kindergarten ermöglicht. Ab 2008 können zwei Frauen die Waldorf-Weiterbildung mitmachen. Die Jugendlichen haben einen detaillierten Plan für ein landwirtschaftliches Projekt vorgestellt, mit dem sie ihre Grundeinkommen sichern könnten. Sie erhielten dafür 200,- für neue Fahrräder und 900,- für ein Stück Land. Dieses Land wurde von dem Besitzer um das Doppelte verteuert, als der erfuhr, dass die Gruppe Freunde in Europa hat. Auf unseren Rat hin zahlte die Gruppe die zweite Rate nicht aus, sondern forderte die erste zurück. Nun liegt das Geld wieder auf der Bank, bis ein passender Acker gefunden wird. Mit der Upendo Gruppe ist die Zusammenarbeit sehr erfreulich: die Berichte und Abrechnungen kommen pünktlich und sind stimmig, die Anfragen präzise und Fragen werden erörtert und weiter entwickelt. Wir empfinden uns als ebenbürtige Partner, in „Selbsthilfe“ wird das Lebensumfeld gestaltet und fleißig daran gearbeitet. „Kranich“ wird gebraucht, um diese Eigeninitiativen zu ermöglichen und auszubauen.

SMAK in Nairobi erhielt 3 900,-:
Vor einem Jahr wurde die Zusammenarbeit mit dem Kindergarten von SMAK aufgekündigt, weil Angelina, die Leiterin, die Zuwendungen nicht korrekt aufgeteilt hatte. Durch diese Erfahrung wurde einiges in SMAK offenbar neu geordnet. Die „Teenager-Mütter“ haben in ihrer Nähstube eine Initiative aufgegriffen, die Monika aus der Schweiz bei einem 2-wöchigen Besuch ihnen angeboten hatte. Monika wollte „Kranich“ unterstützen mit Hilfe ihres Internetshops www.froschkoenigin.ch Zusammen berieten wir allerlei – und inzwischen verkauft sie „faire“ Geldbörsen aus SMAK!
Die sehr gekürzten Zuwendungen - im letzten Jahr fielen die Gelder der „Stiftung Kind ohne Eltern“ fort – haben auch in SMAK zu etwas geführt, was man auf viele Hilfsprojekte übertragen kann: Fortschritt gelingt nur dort, wo Menschen ihn zu ihrer eigenen Sache machen. Es reicht nicht, dass der (wohlmeinende) Geber das Ziel vorgibt. Selbst alle guten Vorsätze und ausgefeilten Anträge sagen nichts aus über die Praxis, wie ein Projekt umgesetzt wird. Angelina, unsere Ansprechpartnerin bei SMAK, hat z.B. ständig Kurse absolviert, die die großen Entwicklungshilfeorganisationen ausschreiben, aber was dabei heraus kam, waren vielleicht formal korrekte Anträge, aber keine, die aus der Basis gekommen oder von der Gruppe selbst erfunden waren. Auf ihren Höhenflügen hat sie unsere Geldmittel herumjongliert und die Mitarbeiter bekamen wenig oder nichts ab. Misswirtschaft auf niedrigem Niveau. Die starke Kürzung hat Angelina offenbar besser „auf den Teppich“ gebracht als alle Ermahnungen zusammen!
Wir finanzieren mit 300,- monatlich SMAKs AIDS-Beratung für Jugendliche, drei Mitarbeiter und ab und zu fließt eine geringe Extrazahlung, wenn Spender etwas extra geben oder Portemonnaies verkauft wurden.

Aufgaben von Kranich in Deutschland

„Europa habe ein verzerrtes Bild von Afrika und auch die deutschen Medien berichteten eher über Krieg, Hunger und Katastrophen, als über das „normale“ Leben“, wird oft in Zeitungen aus Kenia oder Uganda geklagt, die über das Internet einfach zu lesen sind.

Wir von „Kranich“ führen direkte Gespräche mit Freunden und Spendern bei Vorträgen, Festen, Veranstaltungen und oft zeigen wir Bilder und Berichte unserer Partner aus Afrika.
So war ich zum Beispiel in Grundschulklassen, um mit den Kindern: „wie geht ein Kind aus Kidukuru in die Schule?“ durchzuspielen. Oder auf den Märkten, wo die ganze Familie Körbe und Salatbestecke anbietet. Eindrucksvoll sind auch immer die Gespräche auf der „Biofach“-Messe in Nürnberg, die ich seit Jahren am Stand von „Kipepeo“ mitmache. „Kipepeo“ importiert solar getrocknete Ananas aus Uganda, und in Zukunft wollen vielleicht auch die „Kranich“-Bauern ihre Bio-Früchte zu fairen Preisen in Übersee vermarkten. Lebhaft geht es auch beim „Frauenfrühstück“ zu oder bei den Einladungen von verschiedenen Weltläden. Ebenso bedeutsam sind die Fragen und Kommentare über das Internet, denn per Telefon und E-Mail kommen oft neue interessante Gedanken direkt ins Wohnzimmer!
Manches davon konnten wir an offizieller Stelle weiter geben und erörtern: z.B. in der „Zukunftskonferenz soziale Stadt“ der Grünen, bei „Brot für die Welt“, dem „AIDS-Koordinationskreis Baden-Württemberg“, dem „Forum Afrikanum“…..

Wir konnten insgesamt 33 496,09 in die Projekte geben, wovon 3 098,99 durch die Partner hereinkamen – durch den Verkauf ihrer Handarbeiten in Europa.

Unser Spender- und Freundeskreis ist die Stütze von „Kranich“ und Ihnen allen gebührt unser Dank, den uns die Freunde aus Afrika in fast jedem Brief auftragen. Hiermit gebe ich die Grüße und guten Wünsche an Sie weiter.

Auf Kishuaheli vielleicht so: KWA HERI YA KUONANA = Dir alles Gute bis wir uns wieder sehen!


Ihre Elisabeth Marquart

 

   

 

 

 

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